Unsere Reise zur Floorball 3v3-Weltmeisterschaft begann am Donnerstagabend. Gegen 22:30 Uhr erreichten wir unser Hotel. Nach der langen Anreise machten wir uns noch auf die Suche nach einem Abendessen, bevor es schließlich ins Bett ging, um Kraft für die bevorstehenden Aufgaben zu sammeln.
Am Freitagmorgen machten wir uns zu Fuß auf den rund 30-minütigen Weg zur Halle. Dort wartete direkt die erste große Herausforderung auf uns: Lettland. Als eine der führenden Floorball-Nationen der Welt trat Lettland mit Spielerinnen an, die allesamt auf höchstem internationalen Niveau Nationalmannschaftserfahrung besitzen. Für unsere Damen, die bei dieser Weltmeisterschaft ihre ersten Erfahrungen auf internationaler Bühne sammeln durften, war das eine besondere Ehre und zugleich eine enorme Herausforderung. Hinzu kam, dass das 3v3-Spielsystem ein eigenes Format ist, das in Deutschland so nicht gespielt wird. Am Ende stand eine deutliche 3:17-Niederlage auf der Anzeigetafel. Dennoch konnten wir stolz darauf sein, drei Tore gegen eine Mannschaft erzielt zu haben, die am Ende den dritten Platz bei dieser Weltmeisterschaft belegte.
Im zweiten Spiel des Tages trafen wir auf Thailand – das Überraschungsteam des Turniers. Alle Spielerinnen stehen bei Vereinen in Skandinavien unter Vertrag und spielen dort Floorball auf höchstem Niveau. Entsprechend hoch waren Tempo, Spielverständnis und individuelle Qualität dieser Mannschaft. Gegen diese starke und international erfahrene Auswahl hatte unser Team einen schweren Stand und musste sich trotz großem Einsatz mit 2:13 geschlagen geben.
Der zweite Turniertag sollte die Wende bringen. Gegen Frankreich wartete eine Mannschaft auf Augenhöhe auf uns. In einem intensiven und hart umkämpften Spiel hielten wir lange dagegen, wurden für unseren Einsatz jedoch nicht belohnt und verloren mit 3:6. Damit belegten wir Platz vier in unserer Gruppe, und der Traum vom Achtelfinale der Division A war leider geplatzt.
Doch aufgeben kam für unser Team nicht infrage. Am frühen Abend ging es in der Division B gegen Österreich weiter. Was folgte, war ein wahrer Nervenkrimi. Zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit lagen unsere Damen noch mit zwei Toren zurück. Doch unser Team bewies großen Kampfgeist, gab sich niemals auf und kämpfte sich zurück in die Partie. Nach einem dramatischen Spiel musste die Entscheidung schließlich im Penaltyschießen fallen. Dort erwischte unsere Torhüterin Emelie-Sophie Loos einen absoluten Sahnetag und hielt gleich drei Penaltys. Den entscheidenden Treffer für Deutschland erzielte Vanessa Müller. Endstand: 7:6 für Deutschland und der umjubelte Einzug in die nächste Runde.
Im Viertelfinale der Division B kam es erneut zum Duell mit Frankreich. Da war doch noch eine Rechnung offen. Beflügelt vom Erfolg gegen Österreich ging unser Team hochmotiviert in die Partie. Von schweren Beinen nach bereits zwei Spielen keine Spur.
Bereits nach 1:01 Minute brachte unsere jüngste Spielerin im Kader, Charlotte Michler, Deutschland mit 1:0 in Führung. Doch damit nicht genug: Auch an den beiden weiteren Treffern war sie als Vorlagengeberin maßgeblich beteiligt und drückte dem Spiel ihren Stempel auf.
Jeder Zweikampf wurde angenommen, jede Spielerin kämpfte für die andere. Am Ende wurden wir für unseren Einsatz belohnt und gewannen verdient mit 3:1.
Das Motto „Alle für eine und eine für alle“ wurde in diesem Spiel eindrucksvoll gelebt. Besonders bemerkenswert war die Moral unserer Spielerinnen, die sich niemals versteckten, mutig aufspielten und sich damit verdient den Einzug ins Halbfinale der Division B sicherten.
Am dritten Turniertag warteten im Halbfinale die erfahrenen Damen aus der Ukraine. Es entwickelte sich ein schnelles, intensives und körperlich forderndes Spiel, das unseren Spielerinnen alles abverlangte. Trotz einer starken Leistung mussten wir uns schließlich mit 5:8 geschlagen geben. Damit war unsere Weltmeisterschaft sportlich beendet.
Was nehmen wir von dieser Weltmeisterschaft mit?
Das Wichtigste zuerst: Alle Spielerinnen sind gesund und unverletzt geblieben – abgesehen von einigen blauen Flecken, die bei einem Turnier auf diesem Niveau dazugehören.
Gleichzeitig hat uns die WM gezeigt, dass der deutsche Floorball international noch an Geschwindigkeit gewinnen muss, um dauerhaft mit den Top-Nationen mithalten zu können.
Besonders erfreulich ist, dass sich jede Spielerin unseres Teams im Laufe des Turniers in die Scorerliste eintragen konnte. Herausragend war dabei Marie Suske, die in sechs Spielen beeindruckende 9 Tore und 2 Vorlagen erzielte.
Vor allem aber sind wir als Team gewachsen. Wir haben gemeinsam gekämpft, gelernt, Rückschläge verarbeitet und Erfolge gefeiert. Unsere Spielerinnen haben wertvolle internationale Erfahrungen gesammelt und gezeigt, dass sie auf dieser Bühne bestehen können.
Diese Weltmeisterschaft war für unser Team weit mehr als nur ein Turnier. Sie war eine Erfahrung, die uns sportlich und menschlich weitergebracht hat.
Würden wir diesen Weg wieder gehen?
Ganz klar: Ja, jederzeit!
Mitja Kadner


